Therapiespektrum

Patienten, die bei uns zu einer längeren therapeutischen Behandlung kommen, erhalten in der Regel folgende Therapien.

Am Vormittag finden neben der täglichen Visite überwiegend körper- und bewegungszentrierte Gruppen statt, nach dem Mittag erlebnisaktivierende Gruppen und am späten Nachmittag indikationsspezifische Gruppen.

Wenn Sie Fragen zu den Gruppen haben, die hier nicht erklärt sind, können Sie diese gerne bei Ihrem Ambulanzgespräch stellen, was in der Regel vor der stationären Aufnahme stattfindet.

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Adipositas-Psychoedukation

In der psychoedukativen Adipositas-Gruppe geht es um die Vermittlung von Wissen rund um die Erkrankung Adipositas (schweres Übergewicht). Dazu gehören z. B. folgende Themen: Body Mass Index (BMI), Energieaufnahme und –verbrauch, bio-psycho-soziale Ursachen von Adipositas, Folgen der Adipositas, Essstörungen, Essprotokoll, Leidensdruck Betroffener, konservative und chirurgische Therapieoptionen.
Zudem besteht für die Teilnehmer die Möglichkeit, offene Fragen zu klären sowie eigene relevante Themen einzubringen

Bewegungstherapie

In der physiotherapeutisch ausgerichteten Bewegungstherapie werden sowohl Übungen der (Sport-)gymnastik und der rhythmischen Bewegung zur Musik ausgeführt, als auch die Körperwahrnehmung trainiert; alles in Abhängigkeit der Bedürfnisse und Fähigkeiten der Gruppenteilnehmer.

Entspannung/PM

Seit Jahrtausenden wenden Menschen verschiedene Techniken an, um sich zu entspannen (wie z.B. Yoga).
In unsere Klinik wird vor allem Progressive Muskelrelaxation in Gruppensitzungen eingeübt mit dem Ziel, dass die Patienten/innen dies nach einem Klinikaufenthalt selbstständig im Alltag anwenden können.

Die Progressive Muskelrelaxation (PMR oder hier PM) wurde 1928 von Edmund Jacobson entwickelt. Es ist ein Entspannungsverfahren zur Tiefenmuskelentspannung.
Das Prinzip der PMR liegt im systematischen Wechsel von Anspannung und Entspannung einzelner Muskelgruppen. Dies ermöglicht es, ein genaues Gefühl für körperliche An- und Entspannung zu erreichen.
Jacobson nannte die Methode fortschreitend (progressiv), weil man mit der Zeit eine immer tiefere Entspannung erreichen kann und weil die Entspannung, die zunächst nur im muskulären Bereich vorherrscht, sich auf das vegetative Nervensystem und das Herzkreislaufsystem überträgt und zur inneren Stabilisierung sowie einem Abbau übermäßiger Anspannung und Erregung führt.

Ernährungs- und Diätberatung

"Man isst wie man ist"

Essverhalten ist Ausdruck und Bestandteil der Lebensart.
Patienten können in unserer Abteilung kennen lernen, wie eine gesunde Ernährung, die den Bedarf an Nährstoffen und Energie deckt, zusammengesetzt ist.
In den Ernährungsgruppen haben alle Patienten die Möglichkeit, ihre Fragen zu Ernährungsthemen zu klären, Menschen mit gestörtem Essverhalten können lernen, welche Ernährung für sie bedarfsgerecht ist und welchen Einfluss sie auf Essverhalten, Gesundheit, Wohlbefinden und Gewicht hat. Patienten mit besonderen diätetischen Erfordernissen z.B. bei Nierenerkrankungen, Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen können individuell beraten werden.

Basis für die Ernährungsempfehlungen sind die aktuellen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Fachgesellschaften DGE, DDG, DGEM, DAG, (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Deutsche Diabetes-Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Deutsche Adipositasgesellschaft).

Essgruppe

Patienten mit einer Essstörung nehmen ihre Mahlzeiten im Rahmen der therapeutischen Essgruppe ein.
Sie können so ein strukturiertes Essverhalten kennen lernen und einüben. Die Zusammensetzung der Ernährung orientiert sich an den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Vorbereitend und begleitend erhält jede/r Patient/In mit einer Essstörung eine individuelle medizinische Ernährungsberatung. Die Mahlzeiten werden gemeinsam in der Essgruppe eingenommen.
Ein Ziel ist es, dass Essen wieder zu etwas Alltäglichem wird, auch als Genuss erlebt wird, und vor allem entkoppelt wird von Konflikten, Problemen oder persönlich bedeutsamen Themen, die mit dem Essen eigentlich nichts zu tun haben sollen, wie z.B. ein Leistungsideal oder der Wunsch nach schnellem Trost.
Begleitend werden Übungen zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung, der Körperwahrnehmung und der Selbststeuerung durchgeführt.

Gerätetraining

Hier werden im Sinne einer medizinischen Trainingstherapie gezielte Übungen und Übungsfolgen für  die verschiedenen Muskelgruppen an mehreren Stationen unter Anleitung durchgeführt.

Großgruppe

In der wöchentlich stattfindenden Großgruppe finden sich alle Patienten der Station gemeinsam mit der pflegerischen Stationsleitung, einem Vertreter der Kreativtherapien und einer/m Oberarzt/-ärztin zusammen.
Hier können organisatorische und andere Probleme, die den Stationsablauf betreffen angesprochen werden.
Auch allgemeine Fragen zu den Therapien etc können gestellt werden.

Isogruppe

Isometrische Übungen stärken die Muskelkraft, ohne dass dazu spezielle Geräte oder Gewichte nötig sind. Es geht rein darum, den Muskel gezielt anzuspannen.
Da dabei die Muskeln nicht bewegt werden, sind sie gut dazu geeignet, bei Personen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit den Muskelabbau zu verhindern.

Kommunikative Bewegungstherapie/KomBew

Kommunikative Bewegungstherapie ist eine handlungsorientierte komplementäre Gruppentherapie mit tiefenpsychologischem Ansatz, die in Ergänzung zur Einzel- bzw. Gruppengesprächstherapie angewandt wird.
Der Fokus der Therapie richtet sich auf das Verhalten und Erfahrungen hinsichtlich der eigenen Persönlichkeit im Kontakt mit anderen Gruppenmitgliedern sowie der Integration in der Gruppe. Bestandteil der Therapie sind Übungen mit spezifischen Aufgabenstellungen, welche die Wahrnehmung, das Körpererleben, die Ich- Erfahrungen, die Entscheidungsfähigkeit, die Auseinandersetzung, das Vertrauen, die Emotionalität und Kreativität fördern. Im therapeutischen Prozess können die Patienten über zwischenmenschliche Begegnungen und Reflektionen eigene Handlungsstärken erfahren und bewusst erleben. Die Therapie bietet die Möglichkeit, neue Verhaltensweisen im geschützten Rahmen zu erproben.
 

Kunsttherapie/KT

In der Kunsttherapie eröffnet sich ein lebendiger "Spiel"raum für wert- und zweckfreies Experimentieren mit verschiedenen Materialien. Entstandene Bilder, Werke dienen als Visualisierungen psychischen Geschehens und emotional Erlebten. Dieser schöpferische Prozess fördert die persönliche Entwicklung, wirkt stabilisierend und setzt Ressourcen frei.
Im Dialog zwischen Innerem und Äußerem entsteht Raum für das Unaussprechliche.
Im kreativen Tun und über das reflektierte Gespräch können unbewusste Anteile erkannt und in den Alltag integriert werden.

An jedem zweiten Samstag wird optional das Offene Atelier angeboten.
Hierbei steht die Freude am schöpferischen Handeln über das Kennenlernen verschiedenster künstlerischer Techniken im Vordergrund.

Musiktherapie/MT

Aktive Musiktherapie
Das Motto für diese Form der Gruppentherapie lautet: "Ins Spiel kommen!" Mit Hilfe von Musikinstrumenten entwickeln die Teilnehmer ein gemeinsames Spiel. Was braucht es um "ins Spiel zu kommen"? Wie kann ich mich womit einbringen? Die Ideen der Teilnehmer werden ausprobiert, reflektiert, verändert und wieder neu probiert.
Es ist nicht notwendig ein Instrument gelernt zu haben um sich "ins Spiel zu bringen", das sich und die Instrumente ausprobieren bringt oftmals überraschende (auch musikalische) Ergebnisse.

Rezeptive Musiktherapie
In gemeinsamer Runde Musik hören, die Musik zu teilen und festzustellen was uns verbindet, ähnlich ist, aber auch was uns individuell unterscheidet ist der Kern dieser Veranstaltung. Das was sich einstellt, wenn wir "nur" Musik hören, wie unsere Wahrnehmung im Allgemeinen funktioniert und warum es wichtig ist sich damit zu beschäftigen, lässt sich wunderbar einfach anhand von Musikhören erläutern und vor allem: erleben. Als therapeutische Maßnahme geht es darum die eigene Wahrnehmung nach und nach zu erweitern, zu differenzieren und um den Umgang mit "störenden" Wahrnehmungen.

MT Gruppenoffen "Offenes Singen"
Die menschliche Stimme ist das einfachste und zugleich schwierigste Instrument in der musikalischen Praxis. Einfach weil es jeder besitzt und im täglichen auch benutzt, schwierig, weil viele die Erfahrung gemacht haben, dass man "richtig" Singen können muss (oder ruhig zu sein, oder/ und hinten zu stehen hat).
Tatsache ist aber auch: Singen ist gesund und zwar unabhängig von der Qualität der Gesangsstimme (darüber werden immer wieder Studien veröffentlicht).
Im Offenen Singen geht es um den munteren Gebrauch der eigenen Stimme in allen Facetten: vom Aufwärmen in der Atem- und Stimmbildung und in der Bewegung, über bekannte Lieder, bis hin zu mehrstimmigen Kanons, alles ohne schulmusikalisches Regelwerk.

Patientenseminar

In dem wöchentlich stattfindenden Patientenseminar werden Referate zu psychosomatischen Themen behandelt. Dies können krankheitsspezifische Themen oder psychotherapie-spezifischere Fragen sein aber auch allgemeinere Themenkomplexe aus Philosophie oder Gesundheitslehre.

Physiotherapie (Atemtherapie)

In der Atemtherapie richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Atemgeschehen und die dazugehörigen Körperempfindungen.
Der Atemrhythmus kann bei körperlicher und psychischer Belastung beeinträchtigt sein. Ziel der Atemtherapie ist es, Ihre individuellen Ressourcen zu erkennen und auszubauen und damit den Atem wieder Ihren Bedürfnissen anzupassen.

Wassertherapie/WT/Trocken

Wassertherapie/WT
Die Wassertherapie ist die methodische Anwendung von Wasser zur Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden.
Bewegungsübungen im Wasser ermöglichen die Erarbeitung von Bewegungen und Belastungen unter Abnahme des Körpergewichtes. Dies geschieht oft in spielerischer Form.

Trocken
Auf Diagnose und Belastung bezogene Gruppentherapie, in denen Therapieziele aus Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit im Sinne eines "Frühsports" oder "Frühgymnastik" erarbeitet werden.

Anorexie/Bulimia nervosa

Störungsspezifische Gruppentherapie für PatientInnen mit Essstörungen 

In dieser Gruppentherapie liegt der Schwerpunkt auf dem psychotherapeutisch geleiteten Erfahrungsaustausch untereinander über die Krankheit Anorexie/Bulimia nervosa.

"Was erleben wir täglich als Patientinnen mit oft jahrelanger Essstörung im Umgang mit unserem Körper, mit dem Essen in der Gruppe auf Station, mit unseren Gefühlen in Beziehung zu wichtigen Menschen?"

Die Gruppentherapie fördert ein unterstützendes "Wir-Gefühl" unter den Betroffenen, das als hilfreich im täglichen Kampf mit der Krankheit empfunden wird.