Essstörungen und Adipositas

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PD Dr. Tobias Hofmann

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Essstörungen und Adipositas

SUSTAIN

Spezialisierte post-stationäre ambulante Anschlussbehandlung via Videokonferenz für eine nachhaltige Stabilisierung bei Anorexia Nervosa (SUSTAIN)

Projektleitung: PD Dr. Tobias Hofmann

Anorexia Nervosa (AN) ist durch schweres Untergewicht und hohe Mortalitäts- und Morbiditätsraten gekennzeichnet. Stationäre Psychotherapie ist bezüglich einer ersten Gewichtsrehabilitation erfolgreich, aber viele Patient*innen erleiden kurz nach der Entlassung und wiederkehrend Rückfälle, die mit einer ungünstigen Prognose und einer häufigen Chronifizierung der AN einhergehen.

Wir führen an insgesamt 9 Studienzentren eine erste multizentrische, prospektive, auf den Richtlinien Guter Klinischer Praxis basierende, randomisiert-kontrollierte klinische Studie bei Patient*innen mit AN nach einer (teil-)stationären Psychotherapie durch, bei der wir eine ambulante Anschlussbehandlung durchführen, die speziell darauf ausgerichtet ist, eine nachhaltige Stabilisierung bei AN zu erreichen. Wir untersuchen die Wirksamkeit von 20 Sitzungen über 8 Monate einer neuen kognitiv-verhaltenstherapeutischen (KVT) ambulanten Psychotherapie namens SUSTAIN, die speziell auf Patient*innen mit AN nach einer (teil-) stationären Behandlung ausgerichtet ist, im Vergleich zu einer ambulanten optimierten herkömmlichen Anschlussbehandlung (optimized treatment as usual, TAU-O). Die Experimentalgruppe (EG) erhält die SUSTAIN-Psychotherapie hauptsächlich in Form einer Videokonferenz, um eine Kontinuität der Behandlung durch spezialisierte Behandlungszentren zu gewährleisten.

Der primäre Endpunkt ist der Unterschied im Body Mass Index (BMI) zwischen Aufnahme in die Studie (T0) und Behandlungsende (T2). Die wichtigsten sekundären Endpunkte sind die Veränderung der Essstörungspathologie, generellen Psychopathologie, Gewichtsrehabilitation, die Rückfallrate und der Langzeitverlauf des BMI. Die Kosteneffektivität der neuen Behandlung wird ebenfalls untersucht.

Diese Studie wurde basierend auf einem modifizierten etablierten Behandlungsmanual und einer DFG-geförderten Pilotstudie RESTART zur Machbarkeit und Akzeptanz der Behandlung entwickelt und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

SIMCODE

Simvastatin als Zusatztherapie zur antidepressiven Medikation mit Escitalopram bei Patienten mit Depression und starkem Übergewicht: Eine multizentrische, randomisierte, doppelt-verblindete, Placebo-kontrollierte Studie (SIMCODE)

Projektleitung (Psychosomatik, Berlin): PD Dr. Tobias Hofmann, PD Dr Kim Hinkelmann

Major Depression (MDD) und Adipositas gehören zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Statine gehören zu den meist verschriebenen Medikamenten und ihre Sicherheit und Effektivität ist etabliert. Statine werden empfohlen in der primären Prävention von kardiovaskulären Krankheiten, die sowohl mit MDD als auch mit Adipositas in Verbindung gebracht wurden. Darüber hinaus zeigte eine Metaanalyse, dass Statine vielversprechend als Ergänzungstherapie zur herkömmlichen antidepres-siven Therapie sein könnten, da sich antidepressive Effekte zeigten. Nichtsdestotrotz hat bis jetzt keine Studie die potentielle antidepressive Wirkung von Statinen bei Patienten mit MDD und komorbider Adipositas getestet.

Untersucht wird, ob eine Simvastatin-Zusatztherapie (40 mg/d) zur antidepressiven Medikation mit Escitalopram (20 mg/d) zu einer zusätzlichen Verbesserung der Depression und darüber hinaus zu einer Verbesserung von Ansprechrate, Remissionsrate, Veränderungseinschätzung durch Patient*innen, Lebensqualität, Sozialem Funktionsniveau, Lipidwerten und Immunometabolismus im Vergleich zu einer Zusatzbehandlung mit Placebo bei Patienten mit Major Depression und komorbider Adipositas führt.

Die Studie wird bundesweit an sieben universitären Zentren unter Federführung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CBF) der Charité durchgeführt und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Entzündung, Hormonsystem und psychische Funktionen bei Adipositas

Entzündung, Hormonsystem und psychische Funktionen bei Adipositas (KAI)

Projektleitung: PD Dr. Kim Hinkelmann, PD Dr. Tobias Hofmann, Prof. Dr. Stefan Gold

Die Studie dient der Untersuchung des Einflusses morbider Adipositas auf das endokrine System, das Immunsystem und auf psychische Funktionen wie kognitive Leistungsfähigkeit, Essverhalten und Depressivität oder Stresserleben sowie deren mögliche Zusammenhänge. Hierfür soll im ersten Schritt ein Querschnittsvergleich von Patient*innen mit Adipositas und gesunden Kontrollproband*innen und im zweiten Schritt ein Längsschnittvergleich der adipösen Patient*innen vor und nach bariatrischer Operation erfolgen.

Eingesetzt werden psychometrische Untersuchungen, neuropsychologische Testung sowie die Bestimmung metabolischer, immunmodulatorischer und endokriner Parameter mittels Genexpressions- und Proteinassays im peripheren Venenblut und von Cortisol im Haar.

MEPP-Studie

MEPP (Multizentrische Effectiveness-Studie stationärer psychosomatisch-psychotherapeutischer Behandlung in deutschen Universitätskliniken)

Leitung: Prof. Dr. med. Stephan Herpertz (Dortmund), Prof. Dr. Dr. med. Gereon Heuft (Münster); Prof. Dr. med. Stephan Doering (Wien)

Projektleitung an der Charité: PD Dr. Tobias Hofmann

Ziel der Studie ist die Evaluierung der Wirksamkeit (Effectiveness) stationärer und teilstationärer psychosomatisch-psychotherapeutischer Behandlung in deutschen Universitätskliniken. Es sollen erstmals belastbare Daten zu den Behandlungen gemäß den hohen Standards des neuen Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS)-Katalogs gewonnen werden.

Darüber hinaus soll die Wirkung der stationären und teilstationären psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung auf verschiedene Biomarker untersucht werden. Ziel der Untersuchung von Biomarkern im Rahmen der Studie ist es, einen möglichen Zusammenhang zwischen Indikator-Biomarkern und psychischer Belastung in einer großen Stichprobe aufzudecken und erstmalig den Effekt einer stationären psychosomatischen Behandlung auf diese Marker breit nachzuweisen.

Über einen Rekrutierungszeitraum von einem Jahr werden in 22 deutschen Universitätskliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie konsekutiv alle Patienten, die nach ausführlicher Aufklärung in die Teilnahme einwilligen, eingeschlossen.

Biobank zur Untersuchung der Regulation von Emotionen, Essverhalten und Körpergewicht

Biobank zur Untersuchung der Regulation von Emotionen, Essverhalten und Körpergewicht

Projektleitung: PD Dr. Tobias Hofmann, Prof. Dr. Andreas Stengel

Gewichtsregulationsstörungen wie Adipositas oder Essstörungen sind hochprävalente und kostenintensive und damit äußerst relevante und das Gesundheitssystem in hohem Maße belastende Erkrankungen.

Die Verknüpfung emotionaler und behavioraler Prozesse mit der endokrinen Regulation von Hunger und Sättigung sowie des Körpergewichtes ist nicht ausreichend verstanden. Zudem liegen viele Befunde lediglich im Tiermodell vor. Die Translation zum Menschen ist oftmals noch nicht erfolgt, schwierig oder gar unmöglich.

Im Rahmen der Biobank sollen Daten generiert werden, die Zusammenhänge zwischen psychischen Prozessen, Energieverbrauch und körperlicher Aktivität, Körperzusammensetzung und psychoneuroendokrinen Regelkreisen im Querschnitt wie auch im Verlauf unter stationärer multimodaler psychosomatischer Behandlung untersuchbar werden lassen.

Dies könnte zukünftig weitere Ansatzpunkte zum besseren Verständnis von Gewichtsregulations-störungen liefern und ggf. Beiträge zur Entwicklung diagnostischer und/oder therapeutischer Maßnahmen bei diesen Erkrankungen geben.

Untersuchung von Nesfatin-1 und Angstverhalten beim Menschen

Untersuchung von Nesfatin-1 und Angstverhalten beim Menschen

Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Antragsteller: Prof. Dr. Andreas Stengel (DFG), Kooperation: PD Dr. Tobias Hofmann

Nesfatin-1, ein Hormon, welches die Nahrungsaufnahme reduziert, scheint im Tiermodell auch in die Stressachse sowie die Modulation von Angst involviert zu sein. Auch beim Menschen konnten wir eine Assoziation von Nesfatin-1 und andauerndem Angsterleben nachweisen: geschlechtsspezifisch mit einer positiven Korrelation bei Frauen, während diese bei Männern negativ ist. Die akute Regulation von Nesfatin-1 unter Bedingungen von akutem Stress ist bislang nicht untersucht.

In der aktuellen Studie wird der gut etablierte Trier Social Stress Test (TSST) als akuter Stressor genutzt und die hierauf folgende Regulation von Nesfatin-1 im Blut untersucht werden. Aufgrund der geschlechtsspezifischen Regulation von Nesfatin-1werden zunächst nur Frauen untersucht. Im ersten Teil der Studie soll diese Regulation unter physiologischen Bedingungen bei gesunden, normalgewichtigen Frauen untersucht werden. Im zweiten Teil der Studie soll dies dann auch bei Frauen mit Adipositas erfolgen.

Evaluation der Persönlichkeitsstruktur bei chronischen Erkrankungen am Beispiel von Patientinnen und Patienten mit Essstörungen (PSES)

Projektleitung: Dr. Alexander Obbarius, Prof. Dr. Matthias Rose, PD Dr. Tobias Hofmann, Dipl.-Psych. Barbara Voigt

Kenntnisse über die psychische Struktur bzw. strukturelle Defizite der Persönlichkeit werden als zunehmend wichtig für die Planung von psychosomatischen und psychiatrischen Behandlungen erachtet. Ein in Deutschland weit verbreitetes Instrument zur Erfassung der psychischen Struktur ist die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD).

In den letzten 20 Jahren hat sich die OPD als System zur Diagnostik und Therapieplanung in der Praxis etabliert. Auf fünf Achsen erfasst die OPD Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen, dysfunktionale Beziehungsmuster, motivationale Konfliktthemen, strukturelle Defizite der Persönlichkeitsentwicklung und psychische Symptome. Die OPD hat sich in einer Reihe von Validierungsstudien bewährt und ist trotz ihres psychodynamischen Ursprungs durch ihre praxisorientierte Beschreibung und verbindende Terminologie in Deutschland mittlerweile auch schulenübergreifend verbreitet. Die Strukturachse der OPD beschreibt grundsätzliche Fähigkeiten der Wahrnehmung, Steuerung und Regulation, emotionaler Kontaktaufnahme und der Bindungsfähigkeit in Bezug auf das Selbst und die Beziehung zu den verinnerlichten wie auch den äußeren Objekten. Diese Fähigkeiten sind auf 24 Facetten operationalisiert, anhand derer das Integrationsniveau der Persönlichkeitsstruktur von gut über mäßig und gering bis hin zu desintegriert reliabel eingeschätzt werden kann. Aktuelle Entwicklungen zur dimensionalen Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen (PS) in DSM-5 und ICD-11 weisen große Ähnlichkeiten zur OPD-Strukturachse auf. Als Ergänzung dieses Expertenratings wurde der OPD-Strukturfragebogen (OPD-SF) als Selbsteinschätzungsinstrument entwickelt, welcher in seiner Langfassung aus 95 Items besteht, die auf acht Skalen und 21 Subskalen strukturelle Einschränkungen erheben. In ersten Validierungsstudien zeigte das Instrument gute psychometrische Eigenschaften, sowie eine hohe Korrelation mit dem Expertenrating.

Von besonderer Relevanz sind Kenntnisse über strukturelle Fähigkeiten bei der Therapieplanung von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen Essstörungen, da hier von der Symptomebene (z.B. Essanfälle, Erbrechen, Gewichtsverlauf) nicht immer auf die zugrundeliegenden strukturellen Fähigkeiten der Persönlichkeit geschlossen werden kann und somit die Auswahl der besten Behandlung und des richtigen Fokus erschwert ist.

Die Einteilung der Essstörungen in Anorexia Nervosa (restriktiver-Typ und purging-Typ), Bulimia Nervosa und Binge-Eating-Störung, die in den aktuellen Klassifikationssystemen getroffen wird, richtet sich nach der Symptomatik und ist auch im klinischen Alltag üblich und relevant. Pilotdaten weisen darauf hin, dass sich bei diesen Diagnosen auch Unterschiede in der psychischen Struktur zeigen. Bisher wurde dies jedoch nicht mit standardisierten Instrumenten systematisch untersucht.

Ziel der vorliegenden Studie ist es

1) die Validität des OPD-Strukturfragebogens (OPD-SF) an Patienten mit einer Bandbreite von Essstörungen zu überprüfen und Normalwerte zur Verfügung zu stellen,

2) mithilfe des OPD-SF exemplarisch die Persönlichkeitsstruktur bei Patienten mit unterschiedlichen Typen von Essstörungen zu untersuchen und

3) den OPD-SF als diagnostisches Instrument für die Differenzierung verschiedener Essstörungen zu validieren.