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Das Psychophysiologische Labor

Autorin: Cora Weber

Die Psychophysiologie befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen psychischen und physiologischen Prozessen.
So gehen beispielsweise Emotionen, wie Angst oder Traurigkeit, Stress oder Erwartungen, mit Veränderungen in körperlichen Prozessen (z.B. Herzrate, Blutdruck, Hautleitfähigkeit, Muskeltonus) einher. Menschen zeigen je nach körperlicher oder psychischer Vorerkrankung, Persönlichkeit, Biographie, aber auch akuten Belastungsfaktoren eine unterschiedliche Stressreaktivität. Diese Stressreaktivität, also die Eigenschaft des Körpers, auf eine bestimmte Belastung zu reagieren, kann erhöht oder auch erniedrigt sein. Ebenso wichtig wie die Stressreaktivität selbst ist die Erholungsfähigkeit des Körpers, englisch recovery. Auch diese lässt Rückschlüsse auf das individuelle Stress-Niveau eines Menschen zu, und damit indirekt auf eine bestimmte Vulnerabilität oder Erkrankungsbereitschaft.

Zusätzlich zu den oben genannten klassischen physiologischen Parametern erheben wir in unserem Labor auch andere biologische Stressmarker, im Blut oder auch aus dem Speichel, so z.B. das Cortisol. Neben den sog. Catecholaminen Adrenalin und Noradrenalin steigt das Cortisol insbesondere bei psychosozialen Belastungen an. Umgekehrt wird bei manchen Erschöpfungssyndromen, z.B. beim sog. Burnout-Syndrom, teils auch eine erniedrigte Cortisol-Ausschüttung gefunden.
In unserem psychophysiologischen Labor führen wir sog. Stresstests durch. Hier werden die Probanden (Patienten und gesunde Versuchspersonen) psychophysiologisch auf ihre Stressreaktivität hin untersucht. Dazu werden Stresstests in der Regel am Computer durchgeführt, wobei die Probanden bestimmte Aufgaben (am Bildschirm sitzend) ausführen müssen, während dabei kontinuierlich Herzfrequenz, Blutdruckverhalten, Muskeltonus und andere Parameter untersucht werden. Alle diese Messungen sind nicht invasiv und die Ergebnisse können mit dem Probanden bzw. /Patienten anschließend besprochen werden. Durch diesen Test kann eine Rückmeldung über das individuelle Stresslevel gegeben werden.
Die Messungen können sowohl bei stationären als auch bei ambulanten Patienten durchgeführt werden.

Forschungsprojekte

  • Stressphysiologie und Stressverarbeitung im Rahmen stationärer psychosomatischer Behandlungen bei Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern, u.a. somatoformen Störungen und Schmerzsyndromen (PD Dr. med. C. Weber/Dipl.-Psych. L. Erdur)
  • Auswirkung von visuellen Stimuli mit nahrungs- und körperbezogenen Inhalten auf den Schreckreflex bei Patientinnen mit Anorexia nervosa (Dipl.-Psych. L. Erdur)
  • Stressphysiologie und Stressverarbeitung bei ambulanten Patienten mit Stress-assoziierten Erkrankungen (u.a. kardiovaskuläre Erkrankungen) und Störungsbildern (u.a. Burnout, Depression)
  • Inter- und Intraindividuelle Stressregulation von Patienten/-innen mit psychosomatischen Krankheitsbildern auf emotionaler, motivationaler und psychophysiologischer Ebene
  • Translationale Psychoneuroimmunologie - neuroimmunologische Effekte des Biopsychologischen Belastungstestes (BBT) bei Patienten mit chronifizierter extrinsischer Neurodermitis
  • Der Biopsychologische Belastungstest (BBT) - Psychophysiologische Interaktionen in der Stressdiagnostik