Das Bild zeigt eine Ärztin am Schreibtisch im Gespräch mit einem Mann und einer Frau.

Reha in der Richtlinienpsychotherapie

Sie befinden sich hier:

 

 

Teilhabeprobleme und sozialmedizinische Interventionen in der Richtlinienpsychotherapie (TSIRP)

 

Ziel der geplanten Untersuchung ist zu klären, welche Möglichkeiten niedergelassene Richtlinienpsychotherapeuten haben, Teilhabeprobleme in ihren therapeutischen Konzepten zu berücksichtigen und insbesondere auch den Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu unterstützen. Psychotherapeuten kommt in der stationären Rehabilitation eine wichtige Rolle in der Vor- und Nachbehandlung der Rehabilitanden zu. Aktuell erhalten sie zudem erweiterte soziotherapeutische Befugnisse, incl. der Initiierung von Rehaanträgen. Im geplanten Projekt soll diesbezüglich erstmals eine Bestandsaufnahme erfolgen und zukünftige Entwicklungsoptionen erarbeitet werden.

Fragestellungen:

- Wie häufig sind Teilhabeprobleme bei Patienten in der Richtlinienpsychotherapie?
Bei wievielen und welcher Art von Patienten gibt es eine Teilhabeproblematik und sozialmedizinische Fragestellungen mit besonderem Blick auf die Arbeitsfähigkeit (Diagnose, Akuität der Störung, Geschlecht, Alter).

- Was wird gemacht?
Welche Rolle spielen Teilhabeprobleme in den Therapiekonzepten der Psychotherapeuten und dies insbesondere auch in Abhängigkeit von ihrer Verfahrensorientierung (tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch)?

- Was könnte machbar sein?
Welche Optionen sehen die Psychotherapeuten bzgl. einer verstärkt teilhabeorientierten Psychotherapie.

- Wie kann der Transfer zwischen Reha und Psychotherapie verbessert werden?
Wie kann eine Vernetzung mit der stationären Rehabilitation optimiert werden (Verordnung von Reha und soziotherapeutischen Maßnahmen)?

- Welcher Schulungsbedarf besteht?
Welcher Bedarf besteht an der Vermittlung von sozial- und rehabilitationsmedizinischen Kompetenzen für Psychologische Psychotherapeuten in der Aus- und Fortbildung?

Welche Hilfestellungen kann die Deutsche Rentenversicherung geben?
Welche Fortbildungsangebote durch die Deutsche Rentenversicherung sind möglich und von Interesse aus Sicht der Therapeuten wie der DRV, um die Kooperation zwischen Rehaeinrichtungen und Richtlinienpsychotherapeuten zu unterstützen?

 

Hypothesen:

Klärung, welche Möglichkeiten niedergelassene Richtlinienpsychothera­peu­ten haben, Teilhabeprobleme aufzugreifen, den Erhalt der Arbeits­fähigkeit zu fördern, d.h. in der Vor- und Nachbehandlung einer statio­nären Rehabilitationsmaßnahme wie unter Berücksichtigung ihrer neuen soziotherapeutischen Befugnisse, was auch die Initiierung von Rehaanträgen einschließt.

Klärung, welche diesbezüglichen Entwicklungsoptionen gegeben sind und was die DRV tun kann, um die Zusammenarbeit in diesem Bereich zu optimieren. Die zu erwartenden Daten sind von großer Bedeutung für die die Zugangssteuerung, die Verstetigung, Vernetzung, Optimierung und Bedarfsklärung in der psychoso­ma­tischen Rehabilitation, wie auch die  zukünftige Ausgestaltung der psychotherapeutischen Versorgung.

Die geplante Untersuchung wird Daten liefern zu den folgenden Fragen:

- Wie häufig sind Teilhabeprobleme bei Patienten in der Richtlinienpsychotherapie?
- Was wird gemacht?
- Was könnte machbar sein?
- Wie kann der Transfer zwischen Reha und Psychotherapie verbessert werden?
- Welcher Schulungsbedarf besteht?
- Welche Hilfestellungen kann die Deutsche Rentenversicherung geben?

Die Studie betritt Neuland und ist von großer Bedeutung für die Zugangssteuerung und Nachbehandlung in der psychosomatischen Rehabilitation wie auch für die zukünftige Ausgestaltung der psychotherapeutischen Versorgung und Ausbildung von Psychotherapeuten.

Methode:

Es wurden N=131 Psychotherapeuten angerufen und um Kooperation gebeten. Dazu wurde auf die Liste der Richtlinienpsychotherapeuten der Kassenärztliche Vereinigung Berlin, 2019 zurückgegriffen. Die Therapeuten wurden gebeten von zwei bis vier Fallvignetten zu berichten und mehrere Fragebögen auszufüllen.

Ergebnisse:

98,1% der Patienten litten an einer chronischen Krankheit. 50% der F1 Diagnosen wurden schwere Folgesymptome vorhergesagt. Für Fälle mit dem Spektrum der schizophrenen Störungen (F20) lautete die Prognose bei 42 % leichte anhaltende Symptome und bei 50 % schwere anhaltende Symptome. Bei den affektiven Störungen (F30) lag die Prognose bei 19% für eine vollständigen Remission, 59% für leichte anhaltende Symptome und 22% für schwere anhaltende Symptome. Bei Angst- und Zwangsstörungen (F40-F42) wurde in 15,8% der Fälle die Prognose für eine vollständige Remission gegeben, während 58,9% die Prognose für leichte anhaltende Symptome und 25,3% für schwere anhaltende Symptome hatten. Für 22,1% der stressbedingten Störungen (F43) wurde eine vollständige Remission erwartet, während 59,7% leichte und 18,2% schwere anhaltende Symptome aufweisen würden. Für die Diagnose unter dem Cluster F45 wurde bei 10% eine vollständige Remission, bei 62% eine leichte und bei 28% eine schwere anhaltende Symptomatik vorausgesagt. Für Persönlichkeitsstörungen (F60) wurde in 3,8% der Fälle eine vollständige Remission vorhergesagt, während 61,5% die Therapie mit leichten anhaltenden Symptomen und 34,6% mit schweren anhaltenden Symptomen beenden würden.